Stil & Etikette Kurs

Einige Umgangsformen, Gepflogenheiten wie auch Kleidungstipps nach Experte Patrick Schlenker "Pat's Uniform und Kostüm Verleih Schlenker" gibt es hier:

Tipps zum Thema Stil und Etikette in der Belle Epoque

Der gutbürgerliche Herr trägt tagsüber einen Sakko, einen Gehrock oder den davon abgeleiteten Cutaway aus Wollstoff. Bei kaltem oder schlechtem Wetter zieht er einen Mantel mit oder ohne Cape darüber. Dazu setzt er einen Bowler (Melone) oder einen Zylinder auf. Die Weste unter dem Jackett oder Gehrock kann schwarz oder grau, beim Cut auch farbig sein. Dazu ein weisses Hemd, bei dem die Ärmel mit Manschettenknöpfen geschlossen werden, sowie eine Krawatte. Die Hose kann in der Farbe gleich sein wie das Jackett, oder schwarz-grau gestreift. Cut und Gehrock werden nicht bei gesellschaftlichen Abendanlässen getragen, dort ist der Frack angezeigt. Zum Frack werden eine weisse Weste und Fliege getragen. Die Hose ist aus demselben Stoff wie der Frack. Das weisse Hemd ist mit einem Kläppchenkragen, Manschetten und einer gestärkten Brust ausgestattet, welche beim klassischen Frackhemd angeknöpft wird. Manschenttenknöpfe sind eine Selbstverständlichkeit.
So unterschiedlich die Damenmode der Belle Epoque ist, so variantenreich zeigt sich auch die Winterbekleidung. Da gibt es lange Mäntel mit Fellbesatz, Promenaden- oder Reisekostüme aus warmem Wollstoff, dazu Fellstola, Muff, Handschuhe und Hut, um nur ein paar Teile zu nennen. Bei Schneefall ist auch ein Regenschirm von Vorteil; dieser bestand meist aus geölter Seide. Je später in der Belle Epoque, desto grösser und opulenter werden die Hüte, ebenso die Frisuren. Die Handschuhe, welche jede Dame in Gesellschaft trägt, zieht sie nur zum Essen aus. Der Damenhut wird - anders als bei den Herren - beim Betreten eines Gebäudes nicht abgenommen.

Guten Tag, wie geht es Ihnen?

Das Grüssen auf der Strasse hängt vom gesellschaftlichen Stand eines jeden Bürgers ab.
Niemals darf ein im gesellschaftlichen Rang tiefer stehender Bürger einen Höherstehenden zuerst grüssen. Der Tieferstehende muss warten, bis er gegrüsst wird, erst danach darf er den Gruss erwidern. Gegrüsst wird mit dem Lüften des Hutes, als Zeichen der Anerkennung unter Gleichgestellten und beim Gruss einer Frau als Wertschätzung. Der Griff an die Hutkante ohne Lüften des Hutes gilt als normaler Gruss. Wenn sich eine alleingehende Dame und ein Herr begegnen, grüsst immer der Herr zuerst, niemals die Dame, denn dies könnte missverstanden werden.

Küss die Hand

Der Handkuss kommt nur in Räumen und auf Bahnsteigen zum Tragen. Im Freien wird die Hand ansonsten nicht geküsst, sondern man reicht sich die Hand. Die Hand der Dame wird nicht geschüttelt, nur gehalten, und zwar gleich wie beim Handkuss. Zum Handkuss nimmt der Herr die dargebotene Hand der Dame und beugt sich leicht, ähnlich einer Verbeugung darüber. Die Lippen des Herrn verharren für einen kurzen Augenblick ein paar Zentimer über dem Handrücken der Dame. Die Lippen berühren niemals die Hand, es sei denn, es handelt sich bei der Dame um die eigene Ehefrau oder der Herr will seiner Angebeteten seine Liebe erklären. Alleine die Dame entscheidet, ob der Herr ihr die Hand küssen darf oder nicht. Hält die Dame die Hand nicht entgegen, wünscht sie keine Berührung. Prinzipiell steht der Handkuss jedoch nur Damen zu, die verheiratet oder älter als 30 sind.

Was gibt es bei Tisch zu beachten?

Begibt sich ein Paar oder eine Gruppe mit Damen zu Tisch, geht immer ein Mann voraus, entweder der Ober oder einer der Herren. Prinzipiell sitzt der Herr links neben der Dame, resp. die Dame rechts vom Herrn. Der Herr ist der Dame sowohl beim Hinsetzen wie auch beim Aufstehen behilflich. Möchte sich die Dame erheben, kann sie den Herrn mit der an den ganzen Tisch gerichteten Bemerkung "würden Sie mich bitte entschuldigen" darauf aufmerksam machen; normalerweise reicht jedoch nonverbale Kommunikation, z.B. die Serviette vom Schoss nehmen und auf den Tisch legen. Wenn eine Dame aufsteht, erheben sich alle Herren des Tisches ebenfalls kurz als Zeichen ihrer Wertschätzung.
Ein Anstossen der Gläser gibt es nicht. Man prostet sich gegenseitig mit Blickkontakt zu, jedoch ohne die Gläser klingend anzustossen und "Prost" zu sagen.
Man setzt sich aufrecht hin und stützt sich nie, nie mit den Ellenbogen auf dem Tisch ab.

Wohin mit meinem Mantel?

Begibt sich der Herr in einen geschlossenen Raum, nimmt er unverzüglich seine Kopfbedeckung ab. Ist die Örtlichkeit ein Restaurant, Hotel oder ein Privathaus, in welchem er Gast ist, gibt der Herr dem Bediensteten - wenn es einen gibt - seine Kopfbedeckung und seinen Mantel. Wenn vorhanden, ebenfalls seine Handschuhe, den Schal und den Spazierstock. Gibt es im besuchten Haus keinen Bediensteten, hängt der Herr die Kleidungsstücke an die Garderobe. Gehrock, Cut oder Jackett werden nicht ausgezogen; beim Hinsetzen sollten diese aufgeknöpft werden.
Verlässt der Herr die Lokalität wieder, übernimmt er vom Bediensteten seine Bekleidungsstücke, welche er bis auf die Kopfbedeckung im Haus anzieht. Den Hut setzt er erst auf, wenn er aus dem Gebäude auf die Strasse tritt.

Hinweise zum Wesen einer Dame

Die Dame des aufstrebenden Bürgertums benimmt sich vornehm und elegant. Es ist für sie nicht schicklich, mit den Herren über wirtschaftliche und politische Belange zu diskutieren.
Die Frau weiss, wo ihr Platz in der Familie ist; nämlich an der Seite ihres Mannes, welcher sie finanziell absichert. Dazu soll die bürgerliche Dame durch ihr gepflegtes, modisches Erscheinungsbild den familiären Wohlstand repräsentieren, sich um die Erziehung der Kinder kümmern und den Haushalt besorgen, dies mit Hilfe ihrer Bediensteten. Die Dame teilt die Ansichten ihres Gatten und widerspricht nicht.