Erneuerung des Pfades über den Lötschenpass

Von der Erneuerung des Pfades über den Lötschenpass zeugt eine Bibel (1696)

1696 wurde der Plan der Regierung zum Ausbau des alten Römerweges über den Lötschenpass an die Hand genommen.

Die Kompanie Soldaten, welche zu dieser Arbeit aufgeboten war und während drei Sommern zusammen mit Einheimischen am Werk war und bei ihnen Unterkunft fand, genoss offensichtlich gute Gastfreundschaft. Da die Bewohner des Gasterntales noch keine eigene Bibel besassen, wurde ihnen ein Exemplar der neu herausgegebenen bernischen Staatsbibel in der Übersetzung des süddeutschen Theologen Johannes Piscator geschenkt. 

Ulrich Thormann, ein Berner Patrizier, der die Arbeiten leitete, verfügte in seiner Widmung, dass stets der älteste Hausvater oder die älteste Hausmutter die daselbst Wohnsitz habe für dieses Bibel Verantwortung trage. Das wird auch heutzutage im Gasterntal so gehandhabt. Diese Bibel ist auch das einzige, was von jenem kühnen Bauwerk Bestand hatte, denn die Südseite des Passes wurde durch die Walliser nie ausgebaut und so zerfiel der Weg und der Übergang erfolgte weiterhin mit die Überquerung des Lötschengletschers. Erst zur 700-Jahrfeier der Eidgenossenschaft haben wiederum militärische Einheiten den Pfad als Bergwanderweg hergestellt.
Wenn in vergangenen Zeiten der Pfarrer von Frutigen im Sommer den Weg zu jenen abgelegenen Gemeindegliedern unter die Füsse nahm, benützte er die Bibel der Gasterer zum Gottesdienst. Die Gasternpredigt ist zu einer weitherum bekannten Tradition geworden und ist angesetzt stets auf den Vormittag des ersten Augustsonntages. Da seit 1822 anlässlich dieser Bergpredigten stets Eintragungen in eine Chronik gemacht worden sind, stösst auch diese bei Besuchern stets auf grosses Interesse.